Gastfamilie USA
Die Gastfamilie ist wohl das Wichtigste, was Dir während Deines Aufenthalts im Ausland passiert und was Dich vor Deiner Abreise am meisten nervös macht.
Wir möchten Dir daher den "Platzierungsprozess" etwas transparenter machen und Dich ein wenig auf kulturelle Unterschiede im amerikanischen Alltag einstimmen.
Die Gastgeber
Keine Organisation der Welt kann Dir ein Standardmodell oder eine Idealversion einer Gastfamilie präsentieren oder Dir verschiedene "Modelle" zur Auswahl anbieten.
Die klassische Konstellation Ehepaar mit Kind(ern) kommt genauso oft vor wie alleinerziehende Mütter/Väter, ältere Ehepaare oder junge Paare mit/ohne Kinder. Die Vielfalt ist immens und es gibt jedes Jahr neue Familien, die Interesse daran haben, ihr Haus und Leben mit einem Gastschüler zu teilen.
Motivation
Die Gründe, warum sich eine Familie entscheidet, einen Gastschüler aufzunehmen, sind ganz unterschiedlich. Besonders in den USA hat Gastfreundschaft eine lange Tradition und Amerikaner versprechen sich von ihrem neuen "Kind auf Zeit" generell eine Bereicherung ihres Familienlebens.
Natürlich spielt auch der Patriotismus eine gewisse Rolle, denn Amerikaner sind einfach stolz auf ihr Land und möchten es gerne jedem ermöglichen, die USA kennenzulernen und an dem American Way of Life teilzunehmen.
Die Gastfamilien erhalten keine finanzielle Aufwandsentschädigung für die Aufnahme eines Gastschülers, sondern bieten ihre Gastfreundschaft aus rein ideellen Gründen an. Oft ist es die Neugierde auf eine fremde Kultur, aus der vielleicht sogar die eigenen Vorfahren stammen. Auslandsreisen sind in den USA längst nicht so selbstverständlich wie bei uns und man holt sich so ein anderes Land ins Haus, ohne selbst zu reisen.
Auswahl
Sobald sich eine amerikanische Familie entschieden hat, einen Austauschschüler aufzunehmen, wird sie sorgfältig von einem Repräsentanten der Partnerorganisation überprüft und in persönlichen Gesprächen gezielt auf die Rolle als Gastfamilie vorbereitet.
Wir legen größten Wert darauf, dass Du bei Menschen untergebracht wirst, die Dich herzlich und als vollwertiges Familienmitglied aufnehmen und wo eine freundliche und aufgeschlossene Atmosphäre herrscht.
Zugelassene Gastfamilien können selbst entscheiden, welchen Gastschüler sie bei sich aufnehmen möchten und sie nehmen sich manchmal sehr viel Zeit für diese Auswahlprozedur. Die Gastfamilie möchte, genau wie Du, dass ihr zusammen passt und euch gut versteht. Ziel ist es, dass beide Seiten von dem kulturellen Austausch profitieren. Dabei mußt Du natürlich mehr Anpassungsbereitschaft leisten als Deine Gastfamilie. Sie lebt im Großen und Ganzen ihren Alltag gewohnt weiter und zählt auf Deine Flexibilität.
Amerikanischer Alltag
Ist es dann endlich soweit und Du bist in den USA angekommen, wirst Du sicherlich gleich in den Lebensalltag Deiner neuer Familie eingebunden und mit Stolz den Verwandten, Freunden und Nachbarn vorgestellt. Die Aufgeschlossenheit und Hilfsbereitschaft der Amerikaner verhilft Dir schnell zu einer Integration in die neue Umgebung und den amerikanischen Alltag. Im Vergleich zu Deutschland gibt es da erhebliche Unterschiede, auch wenn Du meinst, Vieles bereits aus den Medien zu kennen.
Die Mehrzahl der Gastfamilien lebt in Einfamilienhäusern in mittelgroßen Städten oder in ländlichen Gebieten. Das eigentliche Familienleben findet am Abend und an den Wochenenden statt, da meist beide Elternteile berufstätig und die Kinder tagsüber an der High School sind. Da nebenher auch noch die Haushaltspflichten erledigt werden müssen, solltest Du Dich daran beteiligen und Deine Hilfe anbieten.
Je nach Interesse der Gastfamilie sehen die Wochenendaktivitäten ganz unterschiedlich aus - man besucht zusammen Sportereignisse, geht Campen oder verbringt die Freizeit mit Freunden beim BBQ. Auch einen Tag beim Shoppen in der Mall oder mit Outdoor-Aktivitäten zu verbringen, ist bei den Amerikanern ein beliebtes Hobby.
Eine etwas größere Umstellung wird es für Dich vielleicht sein, plötzlich nicht mehr so viele Freiheiten zu haben wie in Deutschland. Amerikanische Jugendliche genießen innerhalb der Familie und Schule nicht so viel Selbstständigkeit, sondern müssen sich an teilweise strikte Regeln halten. Womit Du mit Sicherheit konfrontiert werden wirst, ist das sogenannte curfew, eine bestimmte Zeit, zu der Du abends spätestens wieder Zuhause sein musst und die Du unbedingt einhalten solltest. Es gehört außerdem zum guten Ton, Deinen Gasteltern Bescheid zu geben, mit wem Du Dich triffst und was ihr unternehmen wollt.
Religion / Kirche
Für viele Amerikaner ist die Religion und der sonntägliche Kirchgang ein wesentlicher Bestandteil ihres Familienlebens. Man hat eine viel stärkere Bindung an seine Gemeinde und gestaltet die Kirche aktiv mit. Die Kirchengemeinden sind oft ein beliebter Treffpunkt, da sie viele kulturelle Veranstaltungen organisieren und die Jugendlichen sich dort treffen können. Du solltest offen sein, auch an diesem Aspekt des amerikanischen Alltags teilzunehmen.
Wenn's mal schwierig wird
Auch in den besten Familien kann es zu Konflikten kommen, das ist völlig normal. Ganz wichtig ist, dass ihr viel und oft miteinander redet und aufeinander eingeht. Lass Deine Gastfamilie wissen, wie Du Dich fühlst - ob Du glücklich bist oder was Dich traurig macht. Auf keinen Fall solltest Du Dich in Dein Schneckenhaus zurückziehen, denn das macht alles nur noch schlimmer. Versuche immer, Probleme aktiv zu lösen, eventuell auch mit der Hilfe Deines Betreuers. Wenn sich herausstellt, dass beide Fronten verhärtet sind oder klar wird, dass die Chemie einfach nicht stimmt, kann ein Gastfamilienwechsel sinnvoll sein.






